Danke, DSGVO.


Warum ein Fotoblog offline geht.

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Datenschutz ist notwendig.

Aber bitte nicht so.

Bis vor Kurzem betrieb ich ein kleines, sicherlich völlig unbedeutendes Fotoblog. Da die Bekannt- und Verwandtschaft meiner Fotos müde war, stellte ich sie in Internet - auf dass sie dort die halbe Welt entdecken und bewundern möge.

Die Zugriffszahlen waren sicher nicht allzu berauschend und ich habe es auch viel zu selten gepflegt, aber was die Pflege angeht, war ich gerade in den letzten Monaten mit anderem beschäftigt: Ich hatte alle Hände voll zu tun um die Webseiten meiner Kunden so hinzubekommen, dass sie nach dem DSGVO-Stichtag keinen Anlass für Abmahnungen etc. bieten könnten. Wenigstens mag mir das gelungen sein, aber für Fotos in's Blog einstellen, blieb kaum Zeit.

Nachdem man seitens der bemühten Datenschützer bemerkt hatte, dass auf Fotos Bildanteile (sprich: "Daten") enthalten sein könnten, die ein Foto einer bestimmten Person zuordnen lassen, kippte man das Kind mit dem Bade aus. Man untersagte die Weitergabe von personenbezogenen Daten ohne Zustimmung der betroffenen Personen. Oder auf die Fotografie übertragen: man untersagte die Veröffentlichung von Fotos, auf denen Bildanteile enthalten sind, die dieses Foto in Zusammenhang mit einer bestimmten Person bringen lassen.

Was für weite Teile der virtuellen und nicht virtuellen Welt durchaus denk- und anwendbar sein mag, treibt im Falle der Fotografie eine ganze Darstellungsform an den Rand des Wahnsinns. Das Wesen von Fotos ist nun mal, dass darauf Bildinformationen enthalten sind. Und oft genug besteht ein Teil dieser Bildinformationen in Personenabbildungen. Im Falle von Porträtfotos ist das ganz gezielt und gewollt und ich wäre schon vor der DSGVO nicht auf die Idee gekommen, ein solches gezielt aufgenommenes Porträtfoto ohne Zustimmung der abgebildeten Person ins Internet zu stellen. Porträtfotos sind aber gar nicht so mein Ding.

Auf vielen Fotos, egal ob das nun Reisefotos sind oder Schnappschüsse vom Sonntagsausflug in den Kurpark geraten häufig ganz unbeabsichtigt oder auch beabsichtigt Personen mit ins Bild. Diese Personen stehen dann nicht unbedingt im Zentrum des Bildthemas, aber sie sind irgendwie Beiwerk des eigentlichen Aufnahmeobjekts. Folge ich der DSGVO buchstabengetreu, gehören diese Personen da nicht hin bzw. ich darf diese Fotos nicht ohne Zustimmung der mit ins Bild geratenen Personen in's Internet stellen. Wie sich die Herren und Damen Datenschützer sich das in der Praxis vorstellen ist mir schleierhaft: Ich befinde mich meinetwegen am Strand und mache Strandfotos. Irgendwo in Italien. Da laufen doch tatsächlich Menschen herum und die sind nun Teil meines Bildes.

Da ich die Bilder potentiell in meinem Fotoblog veröffentlichen will, muss ich nun jedem einzelnen hinterherhechten und ihm eine Datenschutzerklärung unter die Nase halten, auf dass er sie zu meiner Absicherung unterschreiben möge.

Soweit zu der Abbildung an sich und der Unmöglichkeit einen umfassenden Schutz personenbezogener Daten auf Fotos zu gewährleisten. Aber es gibt da noch ein paar BIldinformationen in Form der so genannten EXIF-Daten: Diese lassen bei Bedarf einen Rückschluss darauf zu, wo sich die abgebildete Person (und sei noch so zufällig in mein Bild geraten) zu einem bestimmten Zeitpunkt befand. Dazu benötigt man nun eine Erlaubnis oder die Einwilligung der abgebildeten Person. Und es kommt noch schlimmer: Was bislang noch völlig unklar ist, ist das Verhalten der Abgebildeten und allfällige Honorarforderungen an mich.

Abmahnungen durch findige Anwälte, Strafzahlungen an die Datenschutzbehörden in nicht kalkulierbarer Höhe sind Risiken, die ich nicht eingehen mag. Also nehme ich alle meine Bilder vom Netz und weil ich meine Bilder vom Netz nehme, kann ich auch gleich dieses kleine, unbedeutende Fotoblog schlafen legen. Mir ist es einfach zu lästig, alle meine Fotos zu durchsuchen, ob nicht da oder dort eine Person mit in's Bild geraten ist, die mir nun ein datenschutzrechtliches Bein stellen könnte.

Übrigens: Genau in den Tagen, in denen die DSGVO endgültig und vollumfänglich in Kraft getreten ist, wurde im Schatten des ganzen Hype um die Unzulänglichkeiten dieses Machwerks etwas ganz anderes umgesetzt: Ein neues Recht zur Speicherung von Fluggastdaten und ein neues Gesetz, welches das BKA mächtiger macht.

Soweit zum Schutz unserer personenbezogenen Daten.

Wer?

Was?

Wozu?

Von Haus aus bin ich Webdesigner und erstelle Webauftritte für den kleinen und mittleren Bedarf. Webseiten für Ärzte, Rechtsanwälte, Freiberufler und Gewerbe.

Ich schreibe Bücher über DEVONthink, DEVONagent und RapidWeaver, berichte darüber in meinem Blog und biete Support rund um DEVONthink und RapidWeaver.

Nein, dies hier ich mache ich nur zum Spaß. Das ist also eine rein private Seite.